Ein paar Zentimeter Schnee auf dem Terrassendach – das sieht im ersten Moment harmlos aus. Und meistens ist es das auch. Aber es gibt Situationen, in denen man besser handelt, bevor der Schnee zum Problem wird. Wann das ist, hängt vom Material, von der Konstruktion und davon ab, wie viel Schnee tatsächlich liegt.
Die meisten Terrassendächer sind für eine gewisse Schneelast ausgelegt. Was genau das bedeutet, steht in den Unterlagen des Herstellers oder des ausführenden Betriebs – und das ist die erste Anlaufstelle, wenn man unsicher ist.
Wie viel Schnee ist zu viel?
Schneelast wird in Kilogramm pro Quadratmeter gemessen. Frischer, lockerer Schnee wiegt etwa 50 bis 100 kg pro Kubikmeter, nasser Schnee kann auf 300 bis 500 kg kommen. Zehn Zentimeter nasser Schnee auf einem Quadratmeter können also schnell 30 bis 50 Kilogramm bedeuten – und das summiert sich über eine größere Dachfläche erheblich.
Die meisten handelsüblichen Terrassendach-Konstruktionen sind für Schneelasten von 75 bis 150 kg/m² ausgelegt, je nach Region und Hersteller. In schneereichen Lagen oder bei lang anhaltendem Schneefall mit mehreren aufeinanderfolgenden Schichten kann das kritisch werden.
Ein erstes Warnsignal: wenn die Konstruktion hörbar knackt oder sich die Platten sichtbar durchbiegen. Dann sollte der Schnee sofort und vorsichtig entfernt werden.
Wann Schnee von selbst geht – und wann nicht
Bei Terrassendächern mit Gefälle rutscht Schnee bei milder werdendem Wetter oft von selbst ab. Das klingt praktisch, hat aber einen Haken: Der abrutschende Schnee fällt gebündelt auf eine Stelle und kann dabei Pflanzen, Möbel oder Personen treffen. Wer ein Terrassendach mit stärkerem Gefälle hat, sollte den Bereich darunter bei Tauwetter im Blick behalten.
Flachere Dächer mit wenig Gefälle halten den Schnee länger. Hier bleibt er liegen, wird durch Temperaturschwankungen kompakter und schwerer – und irgendwann kommt man nicht mehr drum herum, aktiv zu werden.
Wie man Schnee sicher entfernt
Das wichtigste Werkzeug ist ein weicher Schneeschieber oder ein Kunststoffschaber – kein Metall, keine Hartkanten. Metall zerkratzt Glasplatten und Polycarbonat sofort, selbst bei leichtem Druck.
Von oben arbeiten ist bei den meisten Terrassendächern keine Option – aus denselben Gründen, die auch für die Reinigung gelten: Die Konstruktion ist in aller Regel nicht für Personenlasten ausgelegt. Wer sein Dach nicht betreten sollte, findet dazu mehr unter dem Thema Begehbarkeit und Tragfähigkeit.
Vom Boden aus geht es mit einer langen Teleskopstange und einem weichen Aufsatz. Nicht mit Druck schieben, sondern eher ziehen – also den Schnee sanft zur Dachkante hin bewegen. Große Schneemassen lieber in mehreren Durchgängen abtragen statt alles auf einmal zu versuchen.
Eisplatten und festgefrorene Schichten niemals mit Werkzeug abkratzen. Hier hilft nur warten, bis die Temperaturen steigen – oder sehr behutsam mit lauwarmem Wasser lösen, sofern das konstruktiv möglich ist.
Was Schnee mit den Platten macht
Polycarbonate und Stegplatten sind frostbeständig und vertragen Schneeauflage grundsätzlich gut, solange die Lastgrenzen nicht überschritten werden. Problematisch wird es, wenn Schmelzwasser in Fugen, Abschlussprofile oder Hohlkammern eindringt, dort gefriert und durch die Ausdehnung beim Gefrieren Druck auf die Verbindungen ausübt.
Glas ist in dieser Hinsicht stabiler, aber auch weniger verzeihen: Ein Riss durch Frostspannung ist bei Glas dauerhaft – bei Polycarbonat kann sich eine leichte Verformung nach dem Tauen teilweise wieder zurückbilden.
Nach dem Winter lohnt sich deshalb immer eine kurze Sichtprüfung der Dichtungen, Leisten und Verbindungsstellen – bevor man in die eigentliche Frühjahrsreinigung startet.
Ein Punkt, der oft übersehen wird
Wenn Schnee auf dem Dach liegt und gefriert, kann das Gewicht nicht nur die Platten, sondern auch die Aluminiumprofile und deren Verankerungen belasten. Gerade ältere Konstruktionen oder selbst gebaute Überdachungen ohne klare Lastangaben sind hier anfälliger.
Wer in einer Region mit regelmäßigen Schneefällen wohnt und ein Terrassendach besitzt, das älter als zehn bis fünfzehn Jahre ist, sollte die Konstruktion im Zweifelsfall einmal von einem Fachbetrieb prüfen lassen – nicht wegen des einzelnen Schneewinters, sondern wegen der Summe der Jahre.