Wer ein Terrassendach aus Doppelstegplatten hat, kennt das Gefühl: Nach dem Winter sieht die Fläche grau und fleckig aus, an den Rändern hat sich Moos festgesetzt, und irgendwie weiß man nicht so recht, wie man da am besten rangeht. Einfach mit dem Gartenschlauch abspritzen? Mit der Bürste drüber? Oder doch den Hochdruckreiniger rausholen?
Das Problem ist, dass Doppelstegplatten eben keine glatte Vollplatte sind. Die Hohlkammerstruktur, die ihnen ihre Stabilität gibt, ist gleichzeitig der Grund, warum bei der Reinigung ein paar Dinge anders laufen als bei Glas oder massivem Acrylglas.
Was Doppelstegplatten von anderen Materialien unterscheidet
Doppelstegplatten – manchmal auch Hohlkammerstegplatten genannt – bestehen aus zwei parallelen Schichten, die durch senkrechte Stege verbunden sind. Diese Hohlräume sind in der Regel an den Schnittkanten mit Abschlussleisten oder Lochbändern verschlossen.
Das ist wichtig für die Reinigung, weil an diesen Kanten oft Feuchtigkeit, Staub und organisches Material eindringt. Mit der Zeit sammelt sich dort Schmutz, der von außen kaum sichtbar ist, aber die Platten trüb wirken lässt. Reiner Oberflächenschmutz ist dabei das kleinere Problem.
Die Oberfläche selbst ist meistens UV-beschichtet. Diese Schutzschicht ist der eigentliche Schwachpunkt: Einmal zerkratzt oder durch falsche Reinigungsmittel angelöst, verlieren die Platten schneller ihre Transparenz und werden mit der Zeit spröde.
Bürste ja – aber welche?
Bei der Bürstenwahl gilt eine einfache Regel: Je weicher, desto besser. Harte Borsten hinterlassen feine Kratzer in der Oberfläche, die man auf den ersten Blick nicht sieht. Unter direktem Sonnenlicht oder bei Blickwinkel von der Seite werden sie dann sichtbar – ein mattes, leicht schleieriges Bild entsteht.
Ideal sind weiche Mikrofaser- oder Naturhaarbürsten, die sich für den Einsatz mit einer Teleskopstange eignen. Damit kommt man auch an größere Dachflächen heran, ohne die Platten selbst betreten zu müssen – was bei Doppelstegplatten ohnehin keine gute Idee ist, da sie für Körpergewicht nicht ausgelegt sind.
Die richtige Bürste an einer Teleskopstange macht den Unterschied: Schmutz löst sich damit schonend, und der Druck lässt sich gut dosieren.
Bürsten mit Metallteilen, abrasiven Beschichtungen oder groben Kunststoffborsten sollten grundsätzlich nicht eingesetzt werden.
Hochdruckreiniger bei Doppelstegplatten – geht das?
Jein. Und das „Nein“ überwiegt in den meisten Fällen.
Ein Hochdruckreiniger kann Doppelstegplatten auf zwei Wegen beschädigen: Entweder durch den direkten Druck auf die Oberfläche, der die UV-Schutzschicht angreift, oder – und das ist der häufigere Schaden – durch Wasser, das unter die Abschlussleisten gedrückt wird und in die Hohlkammern eindringt.
Einmal Wasser in der Hohlkammer bedeutet fast immer: dauerhafter Grauschleier, Algenbildung von innen, und im schlimmsten Fall Verformung der Platten durch Frost im Winter.
Wenn ein Hochdruckreiniger trotzdem verwendet wird, dann nur mit sehr niedrigem Druck (unter 50 bar), großem Abstand (mindestens 40–50 cm) und einem breiten Flächenaufsatz statt einer Punktdüse. Und niemals direkt gegen die Kanten oder Abschlussprofile spritzen.
Für die meisten Doppelstegplatten-Dächer gilt: Ein Hochdruckreiniger ist nicht nötig. Schmutz, der sich mit Wasser und weicher Bürste nicht lösen lässt, braucht ein geeignetes Reinigungsmittel – keinen höheren Druck.
Welches Reinigungsmittel ist geeignet?
Klares Kriterium: keine alkalischen oder lösungsmittelhaltigen Reiniger. Diese greifen das Polycarbonat an und können die Schutzschicht dauerhaft beschädigen.
Gut geeignet sind pH-neutrale Reiniger, die speziell für Kunststoff- oder Polycarbonatoberflächen formuliert sind. Einfaches Spülmittel in sehr geringer Konzentration funktioniert für leichten Schmutz ebenfalls – es ist sanft genug, um die Oberfläche nicht anzugreifen.
Was nicht funktioniert: Essig, Spiritus, Aceton, aggressive Haushaltsreiniger oder Scheuermittel. Diese Mittel hört man gelegentlich als „Hausmittel-Tipp“ – bei Doppelstegplatten sind sie kontraproduktiv.
Nach der Reinigung sollte die Fläche mit klarem Wasser abgespült werden, damit keine Reinigungsmittelrückstände auf der Oberfläche bleiben.
Die richtige Reihenfolge
Lose Verschmutzungen zuerst mit dem Gartenschlauch oder einem schwachen Wasserstrahl abspülen. Dann mit einer weichen Bürste und verdünntem Reinigungsmittel in Richtung der Stege arbeiten – also entweder längs oder quer, je nach Plattenausrichtung. Nicht in kreisenden Bewegungen, da das mehr Schmutz verteilt als löst.
Anschließend gründlich mit klarem Wasser nachspülen. Fertig.
Grünbelag und Moos an den Rändern lassen sich mit einem speziellen Grünbelagentferner behandeln, der einweicht und die organischen Ablagerungen löst, bevor man mit der Bürste nacharbeitet.
Was viele nicht wissen
Ein Detail, das in den meisten Anleitungen fehlt: Die Unterseite der Doppelstegplatten ist in der Regel nicht UV-beschichtet. Wer also von innen – also von unten durch das Dach – mit einem Mittel oder einer Bürste arbeitet, muss noch vorsichtiger sein, da diese Seite empfindlicher auf mechanische und chemische Einwirkung reagiert.
Das spielt vor allem dann eine Rolle, wenn sich auf der Innenseite Kondenswasserflecken oder leichte Grünablagerungen gebildet haben, die durch Feuchtigkeit im Raum entstehen.
Regelmäßige Reinigung – einmal im Jahr reicht in den meisten Fällen – hält die Platten deutlich länger klar und verhindert, dass sich Verschmutzungen so tief in die Oberfläche einarbeiten, dass sie kaum noch zu entfernen sind.